Katja Blum

Beim Nachdenken über diese Einführung bemerke ich dass wir uns fast 20 Jahre kennen, also ich von dieser Ausstellung aus Fäden spinnen könnte, die doch weit zurückführen...

Aber erst einmal bleibe ich lieber im hier und jetzt : wie komme ich hierher, auf diesen Strassen der Stadt, dieses geographische Bremen, für viele der hier Anwesenden ja so vertraute Wege, Formen, Geraden, Kurven... und dem vielleicht Parkplätze suchen oder das Fahrrad, herumkreisen, Charakteristiken des Ortes merken, die eigenen Blicke, Bebachtungen... und für mich als Ortsunkundigen? Das Bedrohliche, Auswechselbare der Stadtbebauungen, das Allgemeingültige, das Allüberallgültige?

Also wie immer Pläne studieren, nachfragen, sich führen lassen, von Weltraumnavigation, die Satelliten, die von oben herabkucken und uns führen, - und so der Blick gespiegelt im hin und her -- natürlich ist es erst einmal normal, dass ich eine fremde Stadt als Abstraktion von oben sehe, als gedruckten Stadtplan, der in gelben, roten, blassen Farben abstrahiert, / artifiziell / ---

Und bemerke hier direkt vor dem Haus die weissen banalen Zweck-Linien der Strassenmarkierungen, denke es ist kein Zufall wenn ich dann hier stehe und Katja Blums Werk betrachte: das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Und doch gehört es zusammen. Aus dem einfachen Grund, weil es uns passiert, weil wir das Medium sind, in dem die Dinge dieser Welt zusammenkommen, das Beabsichtigte und das Zufällige, - und so wird es zur Kunst.

Und hier kommen auch die Bilder, diese auch mehrdimensionalen Objekte, die Farben und Flächen von Katja Blum - und eine Bremer Partei zusammen, die einen Farbennamen und Farben als Identität trägt. Gibt es im Werk von Katja Blum auch eine solche Identität, solche spürbaren Kontinuitäten?

Vielleicht nun doch einige frühe Spuren: Eine meiner ersten Erinnerungen: Katja in Dortmund mit einem Skalpell am Ausschneiden für ein Häusermodell, kurz vor Ende ihres Architekturstudiums. Dieses hartnäckige Forschen an den Flächen, Formen. Hier noch im Zeichen der Architektur. Das Katja weitergehen musste war klar, angelegt in ihrer Neugierde, Offenheit, eines In-Frage-stellens der Disziplin der Architektur ... Katjas Notwendigkeit diese Grundlagen weiterzutragen, in neue Kontexte, neue Bildsprachen, hinzuführen, zu entwickeln in ihre Kunst --

Eine Kunst die hinein ins Verdichten geht ,--- neue Formen, Flächen- Sprachen zu finden, so die Syntax der Architektur weitertreiben... (hoffe es klingt nicht zu abgehoben...) In ihren frühen Architekturmodellen ist es schon spürbar gewesen: das Negativ/Positiv-spiel mit Mustern, Kuben, Inhalten, Farben.

Und hier in ihren heutigen Arbeiten wird Luft zur Hülle, zur Oberfläche, wird Fasade Luft, sichtbare Leere, wird Leere zum Rand, zur Form, zur Fülle. Erinnere mich noch wie Katja mir vor einigen Jahren in ihrem kleinen Häuschen in Otterstedt begeistert einen Photoband von der Künstlerin Rachel Whitehart zeigt: ein Haus ohne Fasade, das Innere ausgegossen mit Beton... Was geschieht wie bei Katja Blum? Führt ein Erläutern hier zu weit?,- immerhin einige der ausgestellten Arbeiten erlauben Spurensuchen ohne jetzt Erklärungen liefern zu wollen. Was sind die Ausgangsmaterialien... zu erwähnen, dass es verschiedene Herangehensweisen sind: das eigne aktive Suchen, die Städte, Orte durchwandern, - Photos machen als Basis für eine Idee, wie in Venedig und in Berlin.

Hier ist das sich gerade entwickelnde kollektive Bild des Mahnmals in Berlin... Katja photographiert selbst, sucht ein Motiv, führt im Bremer Atelier die Mehrdimensionalität des Ortes hin zur Fläche.

und das Finden:

zu erwähnen, dass es Mode-Schnittmuster aus den 50iger (?) Jahren sind, bei der Grossmutter entdeckt, oder ein gefundener Bildband über Deutschland aus den 20iger Jahren, die am Anfang ihrer Arbeit stehen können? Katja Blum nimmt und benennt in den Titeln ihrer Arbeiten kollektive Erinnerungsorte: in uns das Ikonenhafte-Bild d es Kölner Domes oder das des Rheins.

- und bei Katja immer wieder das Umwandeln von Details in Form, Fläche, dieses Transformieren schafft Verdichtung - wird so zu Neuland - für unsere Assoziationen, Vorstellungen, inneren Bilder. Die sich andocken lassen an das, was wir hier heute konkret sehen... so gehen diese Arbeiten von Katja Blum mit uns auf Reisen, --- wie ich oben erwähnte, wir sind das Medium.

Und eine Fragestellung zeichnet die Arbeitsweise von Katja für mich besonders aus: wie ist im Detail, in der Form das Hauptsächliche zu entdecken, Aber vor allem die Offenheit ihrer Arbeiten: eines Für-sich-Sprechens, das mehr sagt als ein Darüber-Sprechens - eben das Vertrauen in Zwischenräume, in eine Freiheit der eigenen Wahrnehmung der Welt, unserer eigenen Welt. Das macht für mich das Werk von Katja Blum aus.